Montag, 26. Oktober 2015

Davanzati

Letzten Samstag war ein herrlicher Herbsttag mit viel Sonne, viel Licht und schützender Waerme.
Schon lange wollte ich ein bisschen ziellos in der Innenstadt bummeln und das ist genau das, was ich gemacht habe.
Meine Füsse haben mich bis zu diesem Palast geführt... wer kennt ihn?
Wenn das Museum Stibbert das erste Museum meines Lebens war, ist Palazzo Davanzati sicher das zweite gewesen.


Eine kurze Klassenfahrt - nur vormittags -bis zu Palazzo Davanzati haben schon alle Schulkinder von Florenz gemacht.
Es ist auch richtig, sogar sehr nützlich, um zu verstehen, aus welchem sozialen Bereich die Renaissance entstanden ist.
Mit diesem Palast, der ursprünglich ein Turmhaus war, sind wir noch nicht in dem 14. Jh. sondern ein bisschen früher. Die Besitzerfamilie waren die Davizi. Sie lebten im Wohlstand, sie besassen ein Herrenhaus mitten in der Stadt. Ein grosser Saal war da, um Gaeste zu empfangen der sog. Salone Madornale; sie hatten voellig bemalte Zimmer bzw. Schlafzimmer; und sie hatten Klo und kleine Badzimmer direkt an den wichtigen Zimmern.



In jedem Raum spürt man den Genuss und die Liebe für die Schoenheit; und das ist meiner Meinung nach, was die Renaissance hier erregt hat.
Die Räume waren damals ziemlich leer, doch alle Details waren sehr gepflegt. Nicht nur die Fresken an der Wand sondern auch die Gemälde - meistens religioese Themen - und die Moebelstücke.



Palazzo Davanzati ist ein Museum und natürlich nicht eins der berühmtesten; ich bin aber der Meinung, man sollte es in Florenz nicht verpassen.
Der Eintritt kostet nur 2 euro. Man besichtigt das Erdgeschoss und den 1. Stock.
Wenn ich mich richtig daran erinnere, ist ganz oben eine riesige Küche; im Moment darf  man aber nicht weiter besichtigen.

Das Klo im Jahr 1300!!!!!



Freitag, 2. Oktober 2015

Bellezza divina - Divine Beauty

Gestern habe ich die neuste Kunstausstellung von Palazzo Strozzi besichtigt, der Titel lautet Bellezza divina, so etwas wie Goettliche Schoenheit.

Die Ausstellung hat mir ganz gut gefallen, obwohl ich keine präzisen Erwartungen hatte, d.h. ich konnte mir nicht so richtig vorstellen, was ich beim Bewundern der Werke moderner Maler über mystische Themen gefühlt hätte.
Die italienische Kunst der Vergangenheit ist voll sakraler Themen, die Religion ist Jahrhunderte lang der Kern der künstlichen Schoepfungskraft gewesen.


Die Ausstellung folgt einer thematischen Unterteilung:
- das Leben Christi
- Maria
- die Kirche
- das Beten
Die Künstler bzw. ihre Werke sind alle aus der Zeitspanne 1850-1960, viele unter ihnen sind Italiener, andere Franzosen oder Deutsche und noch darrunter die superberühmten Chagall, Picasso, Van Gogh.
Von diesen letzten ist nur je ein Gemälde ausgestellt worden. Der wunderschoene weisser Christus von Chagall ist vielleicht das Werk, das mir den grossten Eindruck gemacht hat.
Aber auch meine geliebten Otto Dix, Edvard Munch  und Max Ernst sind dabei mit einigen Bildern.

Die Interpretation der Modernen von religioesen Themen ist nicht nur sehr interessant sondern auch sehr persoenlich. Vor allem aber bei den Szenen des Lebens Christi ist zu merken, dass es keine Auferstehung abgebildet worden ist.
Keine Moeglichkeit der Auferstehung im 20. Jahrhundert, bei den vielen Kriegen und Leiden der Menschheit.

Unter den italienischen Malern ist Felice Casorati mein Liebling: und dieses Bild, das das Gebet heisst, habe ich am liebsten.



Mit der Eintrittskarte für 10 euro erhalten Sie auch einen kleinen Führer, der eine Einleitung in die moderne sakrale Kunst der Toskana ist. Damit kann man ausserhalb der Ausstellung weitere interessante Kunstwerke des 20. Jahrhunderts finden und besichtigen.

Die Ausstellung ist im Palazzo Strozzi bis zum 24. Januar, jeden Tag geoeffnet von 10 bis 20 Uhr, am Donnerstag bis 23 Uhr.