Donnerstag, 20. Juli 2017

Florenz aus dem Fluss

Florenz hat einen Fluss und dieser Fluss heisst Arno.
Befahren kann man ihn nur teilweise, die verschiedenen Strecken werden durch die sog. pescaie getrennt. Eine pescaia ist wie eine Schleuse, besser gesagt wie eine "Stufe" im Fluss, wo die Tiefe eigentlich stufenweise ändert.
Paddelboote und Kanus befahren den Fluss (wie schon erklärt hier) aber richtige Boote bzw. Fähren nicht.

Doch mit einem alten Kahn (barchetto) kann man diese Erfahrung machen und endlich habe ich sie gemacht!!
Ein alter Kahn von Florenz ist ähnlich wie die Stocherkähne aus Tübingen, kennen Sie sie? Als Studentin war ich oft in dieser faszinierenden Universitätsstadt.


Man kann die Fahrt mit der Assoziation "I Renaioli" buchen. Treffpunkt piazza Mentana ganz in der Nähe von Ponte alle Grazie. Ein Kahn bis 18 Mitfahrer; man kann ihn auch privat haben.
Die Bootsfahrt dauert ungefähr eine Stunde, man befährt eine Strecke bis Ponte alla Carraia - also insgesamt drei Brücken:

Ponte Vecchio
Ponte Santa Trinita
Ponte alla Carraia


Auch wenn alle den Ponte Vecchio bewundern, ist Ponte Santa Trinita die schönste Brücke, mit ihrer eleganten Linie und die 4 Statuen an den 4 Kanten. Und aus dem Fluss kann man auch interessante Details entdecken, wie der Kopf von diesem Widder - einem Symbol von Cosimo dei Medici.


Am Fluss bzw. im Fluss ist es ruhig und frisch und irgendwie bezaubernd. Man vergisst den Strassenverkehr und den Lärm der Stadt.
Man kann die alten Häuser am Fluss sehen, diejenigen, die schon seit Jahrhunderten dort stehen.
Eigentlich haben die Strassen am Fluss entlang, die sogenannten lungarni, früher ganz anders ausgesehen.



Wenn die Fahrt am Abend beim Sonnenuntergang stattfindet, ist es besonders faszinierend.
Das Licht auf den alten Steinen von Florenz ist intensiv gelb und warm.

Die Stadt sieht einfach anders aus.
Diese schöne Aktivität, diese aussergewöhnliche Besichtigung der Stadt kann man nur im Frühling oder Sommer unternemen.


Und natürlich sind die Kahnfahrer auch sehr interessant, bzw. stolz auf der Tradition des alten Befahrens des Arno.




Mittwoch, 19. Juli 2017

Kino im Freien

Als ich diesen Post 2014 schrieb, war der Sommer besonders merkwürdig. Ich schrieb: "In meinem Leben habe ich noch nie so einen Juli erlebt. Heute Abend regnet es, heute Morgen hat es geregnet, vor zwei Tagen hat es geregnet, am Wochenende hat es geregnet. Die 40 Grad von Florenz und die unerträgliche Hitze sind nur eine Erinnerung. Es ist nicht schlecht, aber es ist ANDERS."

Drei Jahre danach ist alles wieder merkwürdig aber im Gegensatz dazu. Heisser Sommer, sehr trocken, kaum Regen seit Monaten.
Auf jeden Fall geht es hier um eine sehr schöne Gewohnheit des Sommers, d.h. das Kino im Freien.

Hat man im Winter interessante Filme verpasst, kann man im Sommer nachholen.
Die sog. arene haben ein Programm, das alle wichtigen Filme der Saison wieder laufen lässt. Aber im Freien, wo es am Abend dunkel und endlich kühl ist.



In Florenz gibt es viele: Arena di Marte, Chiardiluna, Poggetto, Castello. Einige liegen mitten in kleinen Parks, wo die Temperaturen noch gemütlicher sind.
Im Freien kann man Eis essen, eventuell rauchen, aber eines ist sicher, man schwitzt nicht mehr. Die Eintrittskarte ist sehr günstig, auf manchen Fälle sogar frei.
2017 organisiert die Stadt Florenz  eine wunderschöne Arena auf piazzale degli Uffizi, ja direkt an den Uffizien.
Hier werden jeden Abend freie Filme gegeben: dieses kleine Festival heisst Apriti cinema!



Dienstag, 4. Juli 2017

Unter den Sternen von Sternen sprechen, in Arcetri

In Florenz ist eine berühmte Sternwarte: Osservatorio Astrofisico di Arcetri. Arcetri ist der Name von einem Hügel, der in der Nähe des letzten Hauses von Galileo Galilei liegt.Wir sind in der Nähe von Forte Belvedere.
Die Gegend ist traumhaft und die Sternwarte ist eine hervorragende Stelle zur Beobachtung des Himmels aber auch der naheliegenden Stadt, Florenz.


Ausserhalb der Gebäude, wo die Physiker arbeiten, liegt ein kleines Amphitheater im Freien. Im Sommer werden hier interessante Vorlesungen, bzw. Didaktisierungen der Astrophysik gehalten.

Die Forscher erzählen von ihrem Fach, sie versuchen, in einfachen Worten die Geheimnisse des Kosmus darzulegen.
Die Vorstellungen beginnen um 21,30 Uhr, wenn es dunkelt. Davor kann man etwas essen und einen Aperitif machen. Im Freien mit wunderbarem Sonnenuntergang.


Ich liebe diese sommerlichen Ereignisse und gehe oft dahin, weil ich gerne etwas von dem ratselhaften Universum begreifen möchte. Schwarze Löcher, dunkle Energie, Galaxien: alles interessiert mich.

Wenn Sie kein Wort Italienisch verstehen, und selbst wenn Physik Ihnen nichts angeht, lohnt es sich trotzdem, hier einen Abend zu verbringen.
Es ist kühl, es ist schön und es ist billig. 8 Euro für das Essen und 6 Euro für die Konferenz, auch getrennt.
Notti d'Estate ad Arcetri ist der Name des Programms, dienstags und donnerstags bis Ende Juli, mit dem letzten Termin am 7. September mit einem Konzert von Barbara Casini und Roberto Taufic.


Nach der Vorlesung kann man den Himmel durch grosse Teleskopen beobachten.
Ein Besuch im Haus von Galileo lohnt sich auch: es heißt Villa Il Gioiello.

Sonntag, 28. Mai 2017

Rationalistische Architektur in Florenz

Mitten im Park Le Cascine - dem grössten Stadtpark - liegen einige Gebäude aus Backstein. Stacheldraht trennt die Gebäude von der Strasse.
In den Gebäuden fand die Luftwaffe Italiens zur Zeit des Faschismus ihren Sitz.
Heute sind die Gebäude immer noch eine militärische Hochschule fürs Flugwesen.
Hier darf man normalerweise nicht eintreten; heute aber habe ich dort eine Theateraufführung zugesehen und zum ersten Mal diese unglaublich schöne Schule besichtigt.

Die Gebäude hat man zwischen 1938 und 1939 erbauen lassen. Rationalistische Architektur gehört zum Faschismus.
In unseren italienischen Städten sind noch viele Vorbilder von diesem Stil, wenn nicht ganze Städte (Sabaudia oder Guidonia, im Latium): in Florenz zum Beispiel der Hauptbahnhof Santa Maria Novella.
Faschismus war politisch und sozial sehr schlecht und führte uns zum Zweiten Weltkrieg; aber der Stil der Zeit gefällt mir sehr. Es riecht nach Modernität, es dringt an die Offentlichkeit die Zuversicht auf die Zukunft - was wir jetzt nicht mehr haben.

Auf diesem Fall heisst der Architekt Raffaello Fagnoni. Ein Florentiner, 1966 gestorben. Er arbeitete eifrig, plante alles innerhalb drei Monaten, liess alles (insgesamt 5 Gebäude + Sportanlagen und Park) in 11 Monaten aufbauen.

Aber ich mag auch die extreme Achtsamkeit für Dekoration und Zubehör. Nicht nur Architektur sondern auch Details, Material, Linien.

Die Hochschule fürs Flugwesen ist ein Beispiel dafür.
Aula Magna mit extra-entworfenen Stühlen.
Türen mit Dekorationen und Türklinken, die wie Flügel aussehen.
Mosaik-verzierte Halle mit blumenformigen Glaslampen.
Alles perfekt, alles elegant. Wie bei dem Jugendstil, aber im Gegenteil zu dem geradelinig, essentiell, rein. Manche könnten meinen: kalt.

Mir gefällt es unheimlich. Architektur, wie es danach nicht mehr gegeben hat.
Ein paar Bilder von den Gebäuden und den Details.
Enjoy!







Sonntag, 21. Mai 2017

Forte Belvedere wiedergeöffnet

Mein beliebster Aussichtspunkt in Florenz ist zweifellos Forte Belvedere.
Der Forte ist eine Festung, die die Medici über der Stadt von Bernardo Buontalenti erbauen liessen. Als Festung hat der Forte nie eine Rolle gespielt, das Gebäude gilt aber als wunderschönes Merkmal der Stadt, man sieht ihn von unten, man erkennt die weisse Fassade, die eleganten Linien, die reine Geometrie.
Um den Forte herum sind Wiesen, die sich wie ein Balkon in Richtung Florenz herausstrecken. Die Aussicht ist so imponierend, die Kuppel kann man fast anfassen!

Schon seit Jahren, schon als ich ein Kind war, hat man den Forte als Austellungsraum im Freien benutzt.
Eine grossartige Ausstellung von Henry Moore hat hier in den 70er Jahren stattgefunden. Ich war nur ein Kind, aber meine Eltern haben mich in die Ausstellung mitgebracht und ich weiss immer noch, wie es da oben aussah.

ph. Gioitta


Dann war lange der Forte zu. So schade, die Wiesen sind ein niedlicher Ort, wo man sich ausruhen kann. Seit ein paar Jahren öffnet die Stadt den Forte vom Frühling bis Hochsommer, weil man dort Kunstaustellungen zeitgenössischer Künstler organisiert.




Die kommende Ausstellung wird also am 2. Juni eröffnet werden. Titel: Ytalia.
Zu bewundern sind die Werke von weltbekannten italienischen Künstlern. Lebende Künstler.

Zum ersten mal seit Jahren gibt es dann eine Eintrittskarte: 3 Euro wird sie kosten.
Die Ausstellung ist nicht nur auf dem Forte sondern auch in anderen Museen der Stadt und eine Eintrittskarte braucht man.


ph. TuscanyPeople







Dienstag, 9. Mai 2017

Insel Elba

Die Deutschen brauchen keinen Hinweis auf Insel Elba. Sie kennen sie sehr gut.

Ich habe aber immer noch die Aussichten und die Farben vor den Augen. Ein langes Wochenende beim Wandern auf der grössten Insel des toskanischen Archipels habe ich kurz hinter mir.



Auf der Insel ist ein Netz von Wanderwegen darunter den sog. GTE. Total zu empfehlen, wenn Sie gern wandern.GTE überquert die ganze Insel von Cavo bis Marciana.


Zu dieser Zeit ist die Insel in voller Blüte und grün wie sonst nie. Die Sonne scheint aber es ist nicht heiss; manchmal regnet es aber es dauert kurz. Eine Pause am  Strand ist immer möglich.


Wanderkarten von Insel Elba findet man auch hier in Florenz;  der höchste Berg ist Monte Capanne, 1080 Mt. ein kleiner Berg aber wenn man bei 0 Meter a.M.O anfängt zu wandern, dann kann es wirklich anstrengend sein.



Freitag, 28. April 2017

Von der Dachterrasse des Plaza Lucchesi

Es kommt der Sommer und die Dachterrassen von Florenz verlocken wie noch nie.
Die Dachterrasse von Grand Hotel Minerva habe ich letztes Jahr beschrieben.

Dieses Mal habe ich die von Hotel Plaza Lucchesi erlebt. Leider hat es dann geregnet und wir haben im Inneren des Hotels unseren Aperitif nehmen sollen. Doch die Terrasse ist wunderbar und es lohnt sich sicher, einen neuen Versuch bei gutem Wetter zu machen.

Plaza Lucchesi ist ein Hotel am Arno, ganz in der Nähe von der Nationalbibliothek und der Kirche von Santa Croce. Oben findet man eine wunderbare Terrasse mit Schwimmbecken und kleinen Tischen aufgebaut und ausgestattet. Die Aussicht ist unvergesslich: man sieht den Fluss, Santa Croce, die Bibliothek, Palazzo Vecchio, den Dom, San Miniato.

Der Aperitif ist auch sehr gut zu 16 euro mit freiem Büffet. Ich habe zwei verschiedene Pastasorten, Cous cous und Sandwiches schnabuliert, dann Gemüse und Pastete, und kleine Puddings und Obst...


Wie im anderem Post geschrieben, kann man bei einem guten Aperitif ruhig zu Abend essen.

Ich empfehle diese Dachterrasse: man braucht nicht, Kunden des Hotels zu sein; am besten aber reservieren.